Wilhelm Exner Medaille | 19.November 2012
Die Wilhelm Exner Medaillen Stiftung des Österreichischen Gewerbevereins (ÖGV) zeichnete Montag Abend drei herausragende Forscher aus, die zur Gänze den von Wilhelm Exner vertretenen Prinzipien entsprechen. Ihre vielfältigen Forschungsergebnisse haben dabei stets einen Bezug zur unternehmerischen Praxis.
Nach dem Empfang durch Bundespräsident Heinz Fischer, war es Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der die Auszeichnungen an Nobelpreisträger Ted Hänsch (Max Planck Institut für Quantenoptik), der Materialwissenschaftler mit österreichischen Wurzeln Friedrich Prinz (Stanford) und den amerikanischen Biotechnologe Robert Langer (MIT) überreichte. Ihre Entdeckungen zählen heute zu den Grundgesetzen ihrer Disziplinen.
Sie haben Erkenntnisse hervorgebracht, die das Fundament für das Wachstum von Industrie und Gewerbe bildeten und bilden. Um solche Forschungsergebnisse industriell oder gewerblich umzusetzen, braucht es mutige Unternehmer, die gesamthaft nachhaltig denken und durch stetige Innovationen ihre Betriebe auf lange Sicht erfolgreich führen.
Konsequenterweise ehrt der ÖGV diese Entrepreneure für ihr unternehmerisches Lebenswerk: Den Niederösterreichischen Emaillespezialist Friedrich Riess von Riess Kelomat, den Wiener Presse-Großvertreiber Emmerich Selch von Morawa und den Vorarlberger Biopionier Werner Lampert.
Seit 1921 verleiht der ÖGV die nach dem österreichischen Wirtschafts- und Technikförderer benannte Wilhelm Exner Medaille. In 91 Jahren ging sie an 234 außergewöhnliche Wissenschaftler und Erfinder, davon 21 Nobelpreisträger.
Theodor Hänsch ist ein Pionier der Laserspektroskopie und wurde bereits 2005 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Seine Entwicklung des sogenannten Frequenzkammes, der erst die Herstellung der hochpräzisen Atomuhren ermöglichte, hat zu einer Revolution in der Zeitmessung geführt. Der Frequenzkamm war u.a. für die Messung der Erddrehung oder der Entfernungen in der Astronomie eine Schlüssel-Erfindung. Einsteins Relativitätstheorie kann seither neuen hochpräzisen Tests unterzogen werden. Als „echter“ Exner-Medaillenträger hält Hänsch 40 Patente und gründete die Firma Menlo-Systems.
Robert Langer ist einer der innovativsten Forscher auf dem Feld der Pharmakotherapie. Der Biotechnologe entdeckte die fundamentalen Mechanismen von Biomolekülen und ist Spezialist dafür, wie Wirkstoffe an den Zielort im Körper transportiert und exakt freigesetzt werden können. Damit revolutionierte er die Behandlung verschiedener Krebs- und Herzerkrankungen. Zudem ist er für seine Forschungsergebnisse im Bereich für die künstliche Entwicklung von Blutgefäßen und Muskelgewebe hoch ausgezeichnet. Langer ist ohne Zweifel einer der produktiven „Erfinder“ in der Medizin und gründete zahlreiche Unternehmen.
Friedrich Prinz konnte die „Mold Shape Deposition“ entwickeln, die es erlaubt komplexe Freiformteile in Spezialmaterialien mit hoher Präzision herzustellen. Dies beflügelte die Erforschung von Mikroturbinen, Mesofluggeräten und der Mikrorobotik im Anwendungsbereich von Energiesystemen über medizinische Geräte bis zur Raumfahrttechnik. Prinz baute an der Universität Standford das „Rapid Prototyping“ Labor auf. Dieses Fertigungsverfahren erlaubt es CAD-Daten ohne manuelle Umwege direkt in Werkstücke umzusetzen. Er befasst sich auch mit der Miniaturisierung von Energieumwandlern und Energiespeichern. Seine Forschung reicht von biologischen Systemen, etwa Algenzellen, über nanostrukturierte Solarzellen bis zur Erforschung von Energiespeichern auf Basis quantenmechanischer Effekte.
Lena Fleig, Arbeits- und Gesundheitspsyhologin an der Freien Universität Berlin wurde mit dem Wilhelm Exner Preis für Jungwissenschaftler für Ihre grundlegenden Forschungsarbeiten zu Effektivität und Wirkmechanismen eines psychologischen Nachsorgeprogrammes zur Aufrechterhaltung von körperlicher Aktivität bei kardiologischen und orthopädischen Rehabilitanden.
Werner Lampert zählt in Europa zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Ja! Natürlich (für Rewe) und Zurück zum Ursprung (für Hofer) entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum. Werner Lampert hat sich auf die Entwicklung, Erzeugung und Vermarktung nachhaltiger Bio-Produkte und Konsumgüter spezialisiert und setzt mit seinem "Prüf Nach!-Qualitätszeichen" im Bio-Lebensmittel neue Maßstäbe.
Friedrich Riess führt einen der ältesten Familienbetriebe in Österreich, der sich als letzter seiner Art auf das Emaillieren von Geschirr und Schildern versteht – wer kennt nicht die blauweissen Wiener Straßenschilder oder jene in Graz, Innsbruck, Linz, Triest...? Riess formt zudem Metall um und hält mit seinen Kleinteilen unter anderem BMW, KTM oder Steyr Daimler Puch am Rollen. Friedrich Riess und seine Familie haben bewiesen, dass sie in Generationen denken. Sie treiben ihr wunderbares Unternehmen ökologisch, ökonomisch und im sozialen Sinne ganzheitlich und erfolgreich voran.
Emmerich Selch führt ein ebenso eindrucksvolles Unternehmen. Der Buch- und Zeitschriften Großhändler Morawa trägt den Namen seines Großvaters und ist seit 135 Jahren mit der Auslieferung von Zeitungen und in der Folge auch von Büchern befasst. Dr. Selch steht seit 30 Jahren an Morawas Spitze und formte den Betrieb in dieser Zeit zu einem quirligen Konzern um, dessen wichtigste Aktivität weiterhin der Pressevertrieb bleibt. Es sollte hier nicht unerwähnt bleiben, dass Morawa gemäß dem globalen Partnerschaft Klimabündnis in vorbildlicher Weise mit Energie und Ressourcen umgeht.
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